Historie

Unser Verband wurde schon 1908 als IVTCDV (Internationaler Varieté-, Theater- und Circus-Direktoren Verband) gegründet. Er ist also der älteste und traditionsreichste Branchen-Spitzenverband der Unterhaltungswirtschaft in Deutschland.

In der „Kaiserzeit“ war das, was viel später einmal als Unterhaltungsbranche bezeichnet werden sollte, von Zirkussen und Varietés geprägt. Elektronische Medien gab es nicht, das Radio und Kino begann sich erst langsam zu verbreiten. Musikaufzeichnungen existierten nur in Form von Schallplatten sowie Walzen und anderen Tonträgern, die heute nur noch in Museen bestaunt werden können. Die Unterhaltungswelt war also fast durchgängig „live“, zum Tanz wurde mit einer Kapelle aufgespielt, viele Zirkusse und zirkusähnliche Schaubetriebe bedienten Stadt und Land mit Spektakeln und Sensationen. Diese bunte Welt hatte ihren Platz neben den praktisch nur in den Städten ansässigen Kulturstätten, also Theater, Oper und Operette. Es fehlte ihr aber an einer Vereinigung zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber Behörden und der etablierten Kulturwelt, die oft mit Geringschätzung auf sie herunter schauten. Das Kaiserreich war mit dem heutigen Rechtsstaat nicht vergleichbar. Die Obrigkeit konnte in weiten Bereichen frei nach Gusto schalten und walten, verlässliche Regelungen in Form von Gesetzen oder Verordnungen fehlten ebenso wie eine ständige Interessenvertretung, von einer unabhängigen Kontrolle hoheitlicher Akte durch Gerichte ganz zu schweigen.

So kam es zur Gründung des IVTCDV. Dieser Verband einigte erstmals die wichtigsten Unterhaltungsbetriebe, wuchs beständig und verlieh ihnen eine gemeinsame Stimme. Die „Branche“ als solche wurde wahr und zunehmend ernst genommen.

Der erste Weltkrieg bedeutete eine Zäsur. Mit seinem Ende hatte sich Deutschland gewandelt. Nach Revolution und langsamer Stabilisierung der neuen Republik begannen die „Golden Twenties“. Fieberhaft und wie im Zeitraffer erblühte ein wildes, experimentierfreudiges Unterhaltungsleben. Varietés, zumal in der pulsierenden Metropole Berlin, erlangten Weltgeltung. Auch wenn der Zirkus gerade in der Fläche noch immer sehr wichtig war, die oft groß inszenierte Unterhaltung auf der Bühne trat mindestens gleichwertig neben ihn. Der IVTCDV begleitete diese Entwicklung durch sein gesellschaftliches Wirken.

Das Ende der Weimarer Republik und die Machtübernahme der NSDAP beendete all das. Der IVTCDV wurde aufgelöst, denn der totalitäre Staat beanspruchte alleinige Herrschaft in allen gesellschaftlichen Bereichen. Unabhängige Interessenvertretungen wurden nicht mehr geduldet. Jüdische und sonstige nach NS-Ideologie missliebige Künstler und Unternehmer des Kunst- und Unterhaltungsmarkts wurden entrechtet, zur Emigration gezwungen, ermordet.

Nach dem Krieg kam das langsame Erwachen, die Ruinen wurden beseitigt und die wieder gewonnene Freiheit des Kunst- und Unterhaltungsbetriebs ließ auch den IVTCDV wieder erstehen. Er gründete sich neu mit Sitz in Düsseldorf, nahm seine Tätigkeit in der Bundesrepublik Deutschland wieder auf. So spiegelt er natürlich auch die Geschichte der deutschen Teilung wider, was erst nach dem 03.10.1990 sein Ende fand. Schon in den fünfziger, massiv in den sechziger und siebziger Jahren wandelte sich aber die Unterhaltungslandschaft wesentlich. Das Fernsehen beanspruchte eine Favoritenrolle in der privaten Unterhaltungswelt, hier konnte man tausend Dinge bestaunen, die bequem nach Hause ins Wohnzimmer gebracht wurden. So wie das Kino an Bedeutung verlor, ging es den Zirkussen und Varietés. Die Großen konnten noch mithalten und so manche tun es bis heute. Aber die Bedeutung dieser Betriebe für die gesamte Welt der privaten Unterhaltung sank. Im Gegenzuge wurden diejenigen immer wichtiger, die den Unterhaltungsbetrieb organisierten, förderten und auf eigenes Risiko voran brachten. Die örtlichen Veranstalter, Konzert- und Gastspieldirektionen, die Agenturen und Manager traten in den Vordergrund. Sie prägen bis heute neben den Tourneetheatern unseren Verband. So wurde aus dem IVTCDV der IFSU.